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drogen im kapitalismus

„Wer des Lotos Gewächs nun kostete, süßer als Honig,
Nicht an Verkündigung weiter gedachte der, noch an Zurückkunft;
Sondern sie trachteten dort in der Lotophagen Gesellschaft,
Lotos pflückend zu bleiben und abzusagen der Heimat.“
Homer, Odyssee

nachdem sich in den 90ern eine liberalisierung der drogenpolitik anzukündigen schien (mensch könnte eine verbindung mit dem siegeszug der neoliberalen ideologie vermuten, aber dazu ein andermal mehr), sieht es gerade so aus, als ob im zuge des autoritär-konservativen rollbacks in den meisten ländern dieser welt selbst bisher legale psychoaktive substanzen (bzw. ihre konsument_innen) als gefahr betrachtet werden. auch die allerweltsdroge tabak, legal und im allgemeinen gebrauch seit mindestens 150 jahren, bleibt nicht verschont. allerdings bleibt die frage, worin die gefahr dieser substanzen bestehen soll, und wem sie droht. denn der schutz des des einzelnen menschen vor sich selbst ist nach der herrschenden ideologie nunmal nicht die aufgabe des staates, und weder gesellschaft noch staat sind ernsthaft bedroht durch ein paar kokser_innen, raucher_innen, kiffer_innen etc. die erklärung des drogenverbots aus der zweckrationalität des kapitalismus ist keinesfalls befriedigend.
vielmehr ist davon auszugehen, dass nicht der/die/das empirische einzelne, sondern dass konzept des rationalen subjekts an sich geschützt werden soll. nach den thesen der „dialektik der aufklärung“ ist die entstehung des bürgerlichen individuums in der zeit der niederschrift der „odysee“ zu verorten. es kann also davon ausgegangen werden, dass die ablehnung des drogenkonsums eine grundkonstante der in ihrer unbewussten dialektik gefangenen aufklärung darstellt. der/die/das/ konsument_in dient als projektionsfläche für allerlei vom bürgerlichen selbstbild abgespaltenes. einen text, der dieses thema ausfühlicher (und mit ansprechendem layout) behandelt, gibt es hier als pdf.